Facebook wird transparenter

8 Mär 19
Gion Gianelli

Auf Druck eines offenen Briefes der Non-Profit-Organisation Mozilla, den Campax und 31 weitere Organisationen unterschrieben haben, werden Facebook-Nutzer und Interessierte in Zukunft die Möglichkeit haben, nachzuschlagen, welche Anzeigen auf der Plattform von wem bezahlt wurden. Im Hinblick auf die kommenden nationalen und internationalen Parlamentswahlen in der Schweiz und in Europa dieses Jahr ist dies ein wichtiger Schritt gegen politische Desinformationskampagnen und für ein transparenteres Internet.

Die Ausgangslage

Auf facebook.com gibt es abgesehen von einfacher Stichwortsuche bisher keine Möglichkeit, die Herkunft einer Anzeige zu bestimmen. Diese Intransparenz ist problematisch. Eine Information ohne Absender erschwert es Nutzern, sie als neutrale Berichterstattung oder als Fake News oder Propaganda zu identifizieren. Facebooks Werbeanzeigen basieren auf eigens ermittelten Daten über das Verhalten der Nutzer auf der Plattform. Dies ermöglicht Geldgebern ihre Anzeigen an spezifische Personengruppen mit gewissen (Verhaltens-) Eigenschaften zu senden. Dadurch können auch Falschmeldungen, Fake News und Propaganda in kurzer Zeit eine enorme Reichweite entfalten. Zudem besteht die Gefahr, dass die Nutzer in sogenannte Filterblasen hineinkommen. Das bedeutet, dass ihnen nur noch Beiträge angezeigt werden, die sie gerne sehen möchten. Folglich können die Informationen, die die Nutzer über Facebook aufnehmen, stark durch diese anonymen Geldgeber beeinflusst sein.

Der Brief

Am 26.9.2018 haben Facebook, Google, Twitter und weitere online-Unternehmen den „EU-Kodex gegen Desinformation“ unterzeichnet. Konkrete Massnahmen seitens Facebook blieben aber aus. Aus diesem Grund hat die Non-Profit-Organisation Mozilla einen offenen Brief an Facebook lanciert, in dem sie die Umsetzung der Forderungen des EU-Kodexes verlangen. Der Brief wurde von 32 weiteren Nicht-Regierungsorganisationen, darunter auch Campax, mitunterzeichnet. Gerade im Kontext der europäischen Parlamentswahlen und vielen nationalen Parlamentswahlen dieses Jahr sehen wir die mangelnde Transparenz auf der Facebook-Plattform als Gefahr für die Demokratie. Auch Facebook-Nutzer haben ein Recht darauf zu wissen, aus welchem Lager Informationen kommen und wer sie verbreitet. Der Brief fordert die Betreiber unter anderem auf, die anonymen Geldgeber dieser Anzeigen öffentlich einsehbar zu machen.

Die Antwort

Facebook hat kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Briefes angekündigt, es werde sein Online Archiv für Werbeanzeigen (API) bis Ende März der Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies ist ein erster wichtiger Schritt für mehr Transparenz auf Facebook in Europa. Genaue Details sind zwar noch unbekannt und viele Punkte des EU-Kodexes werden von Facebook bis heute noch nicht erfüllt. Die umgehende Reaktion auf diesen offenen Brief zeigt jedoch, dass selbst ein einflussreiches Unternehmen wie Facebook zu verantwortungsvollem Handeln gezwungen werden kann, wenn der Druck der Öffentlichkeit stark genug ist.

Die Mozilla Foundation

Bekanntgeworden als Entwickler des Internetbrowser Firefox, setzt sich die Mozilla Foundation für ein freies und transparentes Internet ein. Der offene Brief ist dabei eine von zahlreichen Aktionen, die Facebook und andere Internet-Giganten zu verantwortungsvollem Handeln und mehr Transparenz auf ihrer Plattform zwingen soll. Mehr zur Mozilla-Stiftung und ihren Aktivitäten gibt’s hier.

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