Die Nationalbank ignoriert Klimaschäden.

25 Apr 18
Benjamin Zumbühl

Weltmeister zu werden ist etwas ganz besonderes, erst recht, wenn dieser Triumph hart erkämpft wurde. Völlig zu Recht sind Herr und Frau Schweizer darum mächtig stolz darauf, Recycling-Weltmeister zu sein. Der schon fast rituelle Gang zur Sammelstelle erfüllt das tief verwurzelte Bedürfnis der Schweizer*innen nach Reinheit und Ordnung. Jedes Gebinde kommt an seinen vorgesehenen Platz, der Stoffkreislauf schliesst sich, Frau und Herr Schweizer sind mit sich und dem Universum im Reinen – und haben ganz nebenbei eine Menge des schädlichen Treibhausgases CO2 eingespart.

Währenddessen aber investiert die Schweizer Nationalbank Milliarden in die Gewinnung von Öl, Gas und Kohle und verursacht so die gleiche Menge an Treibhausgasen wie die gesamten Schweiz. Die Anlagepolitik der SNB läuft auf eine katastrophale Erwärmung der Erde von 4-6°C hinaus und steht in direktem Widerspruch zu den eigenen Anlagerichtlinien, zum Übereinkommen von Paris welches die Erwärmung auf 1.5°C beschränken will und welches die Schweiz unterschrieben hat, und nicht zuletzt zu den Anstrengungen, die Frau und Herr Schweizer jeden Samstag am Recycling-Container auf sich nehmen. 

Mit ihren Bemühungen für mehr Umweltschutz steht die schweizer Bevölkerung aber leider oft alleine da. Die bürgerliche Politik hält schützend die Hand über die Wirtschaft als einen der grössten Umweltsünder. Neuester Ausdruck dieser kurzsichtigen Klientelpolitik ist die Forderung, alle Firmen von der CO2-Abgabe zu befreien. Die Verantwortung für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen wird von der Wirtschaft gehoben und gänzlich auf die Schultern der Konsument*innen geladen. Das ist blanker Hohn in Anbetracht des enormen umweltpolitischen Hebels, den die Firmen und allen voran die Finanzinstitute haben. 

Der Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe verlangt Einsatz von uns allen. Dass sich ausgerechnet die grössten Umweltsünder mit halbgaren Entschuldigungen aus der Verantwortung stehlen, ist absolut inakzeptabel.

Die Klima-Allianz, der auch Campax angehört, tritt diesen Missständen mit einem fundierten Forderungskatalog an die SNB entgegen. Darin zeigt sie konkrete Schritte hin zu einem zukunftsfähigen, verantwortungsbewussten und nachhaltigen Finanzplatz Schweiz auf.

Campax setzt sich zusammen mit der Klima-Allianz und einer schnell wachsenden, globalen Bewegung für Divestment ein. Das Ziel dabei ist die Umlenkung der Finanzströme weg von klimaschädlichen Energieträgern und hin zu Technologien, die Zukunft haben. Denn darüber besteht keine Zweifel: Investitionen in fossile Brennstoffe sind keine Wertanlagen, sondern Sargnägel!


Die Zentralbanken von  England, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Schweden, China, Singapur und Mexiko haben sich bereit erklärt, ihre Verantwortung im Klimaschutz wahrzunehmen. Jetzt ist es an der Schweiz, nachzuziehen!