Siebzehntausend Menschen im Rücken

29 Mär 18
Benjamin Zumbühl

Es ist nun bereits zwei Monate her, doch ich werde mich noch in vielen Jahren lebhaft an diesen Tag erinnern. Denn unsere Botschaft gegen Rassismus, Sexismus und Klimalügen ging um die Welt: »TRUMP NOT WELCOME!«. Erfahre in diesem Blogbeitrag, was hinter den Kulissen bei der spektakulären Aktion am Ellhorn passiert ist und sieh Dir das Video an. 

Das erste Tageslicht legt sich sanft übers Sarganserland. Gedankenversunken schaue ich aus dem Zugfenster, seit Stunden bin ich schon wach. Ich ahne, dass mir dieser Tag in Erinnerung bleiben wird. 10,000 Days, mein liebstes Album von Tool, klingt aus den Kopfhörern. »Spark becomes a flame. Flame becomes a fire. Forge a blade to slay the stranger. Take whatever we desire.« Die Anspannung der letzten Tage ist einer inneren Ruhe gewichen, Nervosität in Konzentration umgeschlagen. Siebzehntausend Menschen in meinem Rücken haben jegliche Zweifel zerstreut. Was wir vorhaben, tun wir für sie – und für die Werte, die wir hochhalten.

In Sargans versammelt sich unsere verschworene Gruppe und macht sich auf zum Ellhorn. Nach kurzen Fahrt und einem Fussmarsch stehen wir oben an der Wand und blicken über das diesige Rheintal in den anbrechenden Tag, an dem die Schweiz kopfstehen wird. Schneebedeckte Gipfel leuchten in der Morgensonne. 

Alles ist minutiös geplant, das Material ist vorbereitet und wird nun ausgelegt. Wir werfen uns in Montur, mein Partner und ich kontrollieren gegenseitig Klettergurt, Abseilgeräte, Karabiner, Helm und Messer. Dann seilen wir ab in die Felswand, die dreihundert Meter senkrecht zum Ufer des Rheins abfällt.

10`000 Tage wird er zum Glück nicht im Amt sein. Die Amtszeit eines US-Präsidenten ist auf 2`920 Tage beschränkt. Aber das ist mehr als genug, um aus einem Funken eine Flamme, und aus einer Flamme ein Feuer zu machen. Zum Beispiel auf der koreanischen Halbinsel. Um eine Klinge zu schmieden und Fremde zu erschlagen. Oder Mauern zu bauen. Um zu nehmen, was immer man will. Etwa die Grundrechte wehrloser Mitmenschen. Was wir vorhaben, ist ein Puzzleteil der enormen, weltumspannenden Anstrengungen von unzähligen Aktivist*innen, um genau das zu verhindern. 

Unser Team hat nun die Hilfsseile installiert. Ein riesiger, 25 kg schwerer Sack wird zu mir heruntergelassen. Er enthält eine 60 Meter lange Grusskarte der besonderen Art. Jetzt muss es schnell gehen, denn der aufkommende Wind droht uns einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Siebzehntausend Menschen haben in kurzer Zeit unseren Aufruf »Trump not welcome!« unterzeichnet. Sie alle haben eine Linie in den Sand gezogen. Eine Linie, die zwischen Rücksicht und Egoismus verläuft. Zwischen Empathie und Hass. Zwischen der Vision einer weltweiten Grossfamilie und dem Recht des Stärkeren. All diesen Menschen werden wir heute eine Stimme geben.

Plötzlich kündigen Motorengeräusche eine Szene wie aus Apocalypse Now an: Acht Armeehubschrauber in Formation nähern sich auf wenig mehr als Augenhöhe. Inmitten dieser bedrohlichen Armada kommt er nun also angeflogen: Der Rassist, Sexist und Klimaleugner Donald Trump! 

Dann ziehe ich das Banner aus dem Sack, wir klinken es an die Seile und ziehen es auf wie eine Gardine. Hoch über dem Rheintal entfaltet sich auf 250 Quadratmetern die unmissverständliche Nachricht: »TRUMP NOT WELCOME!«

Die Bilder, die Videos und damit auch Deine Botschaft gingen um die Welt! So haben wir zusammen einen grossen Unterschied gemacht, auf den ich stolz bin.

 

 

Share buttons

Jetzt Nachricht schicken