"Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun."

Trump not welcome
14 Jan 18
Benjamin Zumbühl

Rassismus, Sexismus und Intoleranz  brauchen für ihren Siegeszug nicht deine Zustimmung. Dein Schweigen reicht.

Über Donald J. Trump, und die Gefahr von No Billag.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Donald Trump kommt ans Weltwirtschaftsforum WEF in Davos!

Damit hatte niemand gerechnet, weder hierzulande noch in den USA. Noch vor nicht allzulanger Zeit hat Trump nämlich gegen die globale Elite aus Wirtschaft und Politik gewettert, die sich alljährlich in den Schweizer Bergen trifft. Die “Davoser Party” musste im Wahlkampf als Prügelknabe herhalten, damit sich der Immobilienmilliardär als Mann des einfachen Volkes präsentieren konnte. Abgesehen davon passt auch der globale Fokus des WEF so gar nicht zur protektionistischen Politik Trumps. Laut seiner Pressesprecherin nimmt Trump auch nur am Forum teil, um für seine “America first”-Politik zu werben.

Die Reaktionen auf diese Nachricht liessen nicht lange auf sich warten. Die Flut von Tweets, Posts, Stellungnahmen und Kolumnen drehte sich alsbald um die Frage, ob man eine Reizfigur wie Donald Trump empfangen muss, soll, oder überhaupt darf?

Ein paar Hoffnungsvolle sehen eine Chance im Besuch des Egomanen, der sich selber als “very stable genius” bezeichnet, und wünschen sich, dass die Schweiz dadurch ins internationale Rampenlicht rückt. Der Empfang des Rassisten, der afrikanische Länder als “shithole countries” bezeichnet, soll die Schweiz vor der Weltöffentlichkeit gut aussehen lassen. Diese Hoffnung kann getrost als naiv abgetan werden.

Die diplomatischen Wortführer gehen davon aus, dass sich der offenkundige Sexist, Lügner und Klimaleugner mit ein paar wohlüberlegten Worten von seinem Kreuzzug gegen Minderheiten im eigenen Land und gegen den Rest der Welt abbringen lassen würde. Dialog sei hier der Schlüssel, auch wenn Trump keine Dialogbereitschaft erkennen lässt. Nach einem Jahr intensiver Beobachtung wage ich sogar zu behaupten, dass es vor allem mangelnde Fähigkeiten sind, die einen ernstzunehmenden politischen Diskurs verhindern.

Diese Meinungen wären ja eigentlich verständlich, unter normalen Bedingungen. Aber wir leben nicht in “normalen” Zeiten und Trump ist kein “normaler” Präsident. Donald Trump bewegt sich tagtäglich an der Schwelle des Irrsinns, wobei nicht immer klar ist, auf welcher Seite davon er gerade steht. Äusserungen wie etwa seine Forderung nach einer speziellen Identifikationskarte für Muslime sind nicht anders als mit geistiger Umnachtung zu erklären!

In seiner alternativen Realität, bestimmt von “alternativen Fakten”, hat die Normalität ausgedient. Die Normalität ist zu Beginn des Wahlkampfes und bis auf Weiteres dem Wahnsinn gewichen, und unser Umgang mit Trump muss diesen Umstand berücksichtigen. Es gibt kein “business as usual” mehr. Wer das nicht erkennt, verschliesst die Augen vor der Realität. Wir dürfen nicht zulassen, dass der neue Wahnsinn zur neuen Normalität wird. Wenn wir aus dumpfer Gewohnheit oder sogar moralischer Erschöpfung unsere ethischen Massstäbe verschieben, damit Trump in den Bereich des Akzeptablen passt, opfern wir alles, wofür wir gekämpft haben und immer noch kämpfen.

Schlussendlich geht es nicht nur um Trump und seine unzähligen Verfehlungen. Es geht auch um unsere Werte, die wir hochhalten und für die wir einstehen: In unserer Gesellschaft sollen alle, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Orientierung, Religion oder Herkunft dieselbe uneingeschränkte Wertschätzung erfahren. Unseren Nachkommen wollen wir eine intakte Umwelt und eine friedliche, gerechte Welt hinterlassen. Klar ist der US-Präsident demokratisch legitimiert – aber das sind unsere progressiven Werte, die er mit Füssen tritt, auch. Verpflichtet das uns wirklich, ihm ein Mikrofon zu reichen, damit er seine “Fuck You All” -Politik bei uns bewerben kann? Sind wir nicht viel eher moralisch dazu verpflichtet, jemandem, der die Überlegenheit der weissen Rasse predigt und Hakenkreuz schwingende Mörder verharmlost, den Stecker zu ziehen?  Es ist ja nicht so, dass Trump in der Schweiz an einem Friedensgipfel mit Nordkorea teilnimmt. Auch wird er nicht kommen, um den Welthunger oder den Klimawandel zu bekämpfen. Ganz im Gegenteil, er wird versuchen, für sich und seine Klientel den besten Deal herauszuholen. Und das auf Kosten von uns allen.

“Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun!” sagte einst Edmund Burke. Um das nochmals zu verdeutlichen: Rassismus, Sexismus, Homophobie, religiöse Intoleranz und menschenverachtende Politik brauchen für ihren Siegeszug nicht deine Zustimmung. Dein Schweigen reicht.

Nun, wirst Du einstehen für das, was dir wichtig ist, oder wirst Du die Hände in den Schoss legen, während das Böse triumphiert? Bist Du bereit, für deine Tatenlosigkeit die Verantwortung zu tragen?

Wenn nicht, dann schliesse dich unserem Protest an und sage gemeinsam mit uns und 13`000 Gleichgesinnten:

Trump not welcome! World first, not America first!

https://www.campax.org/de/petition/trump-not-welcome

PS: #NeinzuNoBillag = Nein zu Trump. Der amerikanische Alptraum, der sich gerade vor unseren Augen entfaltet, ist zu einem grossen Teil den Eigenheiten der amerikanischen Medienlandschaft geschuldet. Zwei Medienlager beharken sich jahraus, jahrein, das Lager mit weniger Skrupeln und den besseren Lügen hat bei Trump das Rennen gemacht. NoBillag soll die Schweizer Medienlandschaft umpflügen, damit sie ein Ebenbild der amerikanischen werden kann. Wir können uns also vielleicht auf Bachelor-Moderator Joel Herger als künftigen Bundespräsidenten freuen!

Willst du die Arbeit von Campax mit einer Spende unterstützen? Vielen herzlichen Dank!

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